Wie mein Beitrag vom LinuxTag akzeptiert wird
Es werden sehr viele wirklich gute Beiträge eingereicht, und eine Beurteilung all dieser Themenvorschläge ist harte Arbeit. Mancher Autor tut dabei jedoch weder sich selbst noch seiner möglichen Zuhörerschaft einen Gefallen, und versieht seinen Vorschlag nicht mit den nötigen Informationen bzw. der richtigen Detailtiefe, um ihn adäquat beurteilen zu können.
Aufgabe der Mitglieder des Konferenz-Komitees ist es, aus der Fülle an Vorschlägen diejenigen auszuwählen, die für das Publikum gleichermaßen attraktiv von ihrem Thema und interessant vom Inhalt sind. Das Komitee gibt damit die inhaltliche Richtung der Konferenz vor.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Anzahl an eingereichten Beiträgen die Zahl der tatsächlich möglichen Präsentationen um mindestens das zwei- bis dreifache übersteigt. Anders als einige andere Konferenzen verlangt der LinuxTag im Zuge des Call for Papers nur eine Zusammenfassung der geplanten Präsentation. Einerseits mag dies den Auswahlprozess für das Konferenz-Komitee erschweren, andererseits erspart es den potentiellen Autoren das Verfassen einer kompletten Ausarbeitung, die dann zurückgewiesen wird. Damit wird es dem Autor also ohne allzu großen Aufwand ermöglicht, einen Vorschlag einzureichen, es stellt für ihn aber auch eine Herausforderung dar, den Sinn und Zweck des Vorschlages dem Komitee gegenüber passend darzustellen.
Im folgenden einige Anregungen, um einen Beitrag erfolgreich zu gestalten. Sicherlich hängt dieser Erfolg aber auch von der (Teil-) Konferenz und von dem damit befassten Komitee ab.
Detaillierung der Zusammenfassung
Vermittle ausreichende Details. Einige Autoren beschreiben ihr Projekt oder die Technologie, über die sie vortragen möchten, lediglich mit ein paar allgemeinen Sätzen. Gibt es deutlich mehr Vorschläge als tatsächlich mögliche Präsentationen, so mögen diese Vorschläge durch das erste Sieb fallen.
Nicht zu viel Details - aber auch nicht zu wenig. Die Zusammenfassung sollte gerade so viel mit technischen Details aufwarten, daß sie das Interesse des Komitees weckt, ohne damit überfrachtet zu wirken. Sie sollte damit die Kompetenz des Autors unter Beweis stellen, ohne auszusehen, etwa gerade bei freshmeat abgeschaut worden zu sein.
Gebe Links! Es ermöglicht dem Begutachtenden, sich weitergehend über die Technik bzw. die Sache informieren zu können, oder über den Hintergrund und die Erfahrung des Autors. Vielleicht machen die Web-Seiten des Projektes das Komitee-Mitglied neugierig, und es möchte mehr darüber erfahren. Hierhin passen auch Verweise auf bisher über das Thema gehaltene eigene Vorträge oder andere Veröffentlichungen, die Zeugnis abgeben können über die Verbindung des Autors zum Projekt.
Hintergrund des Autors
Eigene Vortrags-Erfahrung. Das Komitee-Mitglied sollte aufgrund einer guten Zusammenfassung entscheiden können, ob das Thema interessant ist. Das sagt aber noch nichts über die Fähigkeiten des Vortragenden aus, ob er ein guter Referent ist oder nicht. Es ist traurig aber wahr, dass jemand mit einem stark ausgeprägten Akzent oder undeutlicher Aussprache bei einem Publikum keine Begeisterung auslösen wird.
Sei ehrlich. Hat jemand keine Vortrags-Erfahrung, so schließt ihn das nicht von vorneherein aus. Schließlich hat jeder einmal irgendwie angefangen. Praxis und Erfahrung ergeben sich auch aus Vorträgen für eine LUG oder in der Universität.
Zeige Beispiele. Der LinuxTag ist nicht in erster Linie eine wissenschaftliche Konferenz, sondern soll Informationen und Wissen vermitteln, das angewendet werden kann. Aussagekräftige Beispiele helfen dabei.
Akzentuiere die eigene Arbeit. Neuigkeiten aus Projekten sind immer interessant für die Kongressteilnehmer. Projekt-Insider mögen nicht nur die interessanteren Vorträge geben, sie unterstützen damit auch die Entwickler des gesamten Projektes. Die eigene Biographie sollte daher die Verbindung des Autors zu dem Projekt zeigen.
Art des Beitrages
Wenn der Beitrag passend sein sollte für ein Tutorium oder eine BoF-Sitzung (Birds of a Feather), sollte man nicht versuchen, daraus mit Macht einen Beitrag für das Freie Vortragsprogramm zu machen. Ein Überblicksbeitrag zu einem Software-Werkzeug ist eine interessante Sache, passt aber nicht so recht als Beitrag in eine technische Konferenz zu Linux. Der Rezensent könnte es den Kollegen der Tutorienbetreuung zur Erwägung geben, bei der Masse der Beiträge wäre es aber hilfreich, wenn schon der Autor seinen Beitrag in die richtige Kategorie einreiht.
Es gibt verschiedene Teilnahmemöglichkeiten am LinuxTag. Teilnehmer können einen Vorschlag machen, für welchen Konferenzteil ihr Beitrag geeignet erscheint, die eigentliche Auswahl trifft jedoch das Programmkomitee individuell in Rücksprache mit den Sprechern:
- Das Freie Vortragsprogramm konzentriert sich als Hauptteil der Veranstaltung auf technische und weitere Fortschritte im Gebiet von Linux und Freier bzw. Offener Software. Der Autor sollte in dem zu präsentierenden Projekt unmittelbar involviert oder ein langjähriger Benutzer bzw. Experte dafür sein. Hat er über dieses oder ein ähnliches Thema auf einer anderen Konferenz gesprochen, oder eine Veröffentlichung dazu, soll er diese angeben. Um am Freien Vortragsprogramm teilnehmen zu können, muss sich der Autor dem offiziellen Call for Papers unterziehen, bei dem das Programmkomitee alle Vorschläge begutachten und die besten für das Vortragsprogramm auswählen wird.
- Das Practical Linux Forum widmet sich den wichtigen Standardthemen und zielt auf migrierende bzw. neue Nutzer von Linux ab, auch auf diejenigen, die einfach wissen möchten, wie man eine Aufgabe damit erledigt. Dieses Publikum ist darum nicht an technischen Details interessiert, sondern an einer "runden" Präsentation. Trainer oder Instruktoren, die in Firmen oder an Universitäten Kurse abhalten, oder einen sehr guten Überblick zu einem Gebiet generellem Interesses haben, sind prädestiniert hierfür. Diese Teilveranstaltung erfordert gute sprachliche Fähigkeiten und Erfahrung in der Vermittlung solcher Themen. Auch hierfür ist am Call for Papers teilzunehmen.
- Tutorien behandeln ein Thema in erschöpfender Tiefe und erstrecken sich üblicherweise über einen halben bis hin zu einem ganzen Tag. Als Referenten sind hierfür unmittelbar involvierte Projektmitglieder ideale Kandidaten, um ein Höchstmaß an Qualität für diese Teilveranstaltung anbieten zu können. Die Referenten werden dazu direkt vom Konferenz-Team eingeladen, welches aber auch gerne Vorschläge via Mail entgegennimmt.
- Der Business- und Behörden-Kongress richtet sich an Entscheidungsträger in Industrie und öffentlicher Verwaltung. Die Präsentationen zielen hier mehr auf organisatorische Fragestellungen, etwa die Einrichtung und Unterhaltung von umfangreichen Systeminstallationen, auf Geschäftsmodelle und Machbarkeitsstudien. Die Referenten für diesen Teil-Kongress werden von einem eigenen Programm-Komitee eingeladen. Beide Programm-Komitees stehen in engem Kontakt, um eingereichte Vorschläge untereinander auszutauschen. Die Teilnahme am Call for Papers kann so auch zu einer Einladung zu einer Präsentation auf dem Business- und Behörden-Kongress führen. Dafür besteht allerdings keine Garantie.
- Informellere Themenstellungen können in Workshops und während BoFs diskutiert werden. Diese lassen sich auch kurzfristig während des LinuxTag anberaumen, vorausgesetzt, das Raum- und Zeitangebot bietet entsprechende Möglichkeiten dazu. Es ist auch möglich, für ein Projekt oder eine Gruppe ein geschlossenes Treffen ohne öffentliche Ankündigung abzuhalten. Im Vorfeld kann dazu der Veranstalter via Mail kontaktiert werden.
- Im Unterschied zu den bisher aufgezählten Teilveranstaltungen können sich das Firmenvortragsprogramm und Subkonferenzen auf spezielle Produkte oder Dienste konzentrieren. Die Zeiten hierfür werden von der Ausstellerbetreuung vergeben und sind kostenpflichtig. Die Firma, der Sponsor oder der Arbeitgeber können während des Firmenprogrammes gerne genannt werden. Von Präsentationen zu puren Werbezwecken für ein Produkt oder eine Dienstleistung ist aber abzusehen.
Auswahlkriterien
Zu allererst ist eine Vielzahl formaler Kriterien zu erfüllen. Der LinuxTag benötigt ein ausreichendes Maß an Informationen über den Autor einschließlich seiner Kontaktdaten und einem Bild. Diese Informationen erst nach der Akzeptanz einer Einreichung einzuholen hat sich als wenig praktikabel erwiesen. Der LinuxTag sagt es nur ungern, aber diese formalen Kriterien bilden die erste Hürde im Auswahlprozeß. Das gilt gleichermaßen für eine Reihe weiterer Bedingungen und Auflagen, die der Veranstalter zu akzeptieren bittet. Dazu gehören die Rechte an der Veröffentlichung des Beitrages oder die Abwicklung der Unterbringung des Autors. Dies alles kann im Call for Papers ausführlich nachgelesen werden.
Nach diesen formalen Kriterien begutachten die Mitglieder des Programm-Komitees (PCM, Program Committee Member) die Vorschläge nach verschiedenen inhaltlichen Gesichtspunkten. Das Programm-Komitee besteht aus einer Gruppe bekannter Größen aus der Szene der Freien und Offenen Software sowie ehemaliger LinuxTag-Referenten. Sie werden vom Vorsitzenden des Programm-Komitees, einem Vorstandsmitglied des LinuxTag e. V., und seinen stellvertretenden Vorsitzenden eingeladen.
Die drei wichtigsten Kriterien für ein PCM sind
- Relevanz und Orginalität,
- Kompetenz und Hintergrund, und
- Präsentationsstil.
Obwohl ein präsentiertes Thema nicht notwenigerweise gänzlich neu sein muß, ist dies doch hilfreich. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist der Grad an Interesse bzw. die Größe des Zielpublikums, die sich mit dem Thema verbindet. Verbindet sich mit einem Thema lediglich eine spezielle Gruppe wie etwa Software-Entwickler, Behinderte, oder einer gewissen natürlichen Sprache mächtigen Besucher, wird gebeten, dies in der eingereichten Zusammenfassung zu vermerken.
Der LinuxTag bittet die Autoren um Auskunft über ihren Hintergrund, und in welcher Verbindung sie zu dem Thema stehen, über das sie vortragen möchten. Viele nennen hier ihre ersten Rechner, und wie lange sie sich mit Linux beschäftigen. Für das Programm-Komitee ist es aber viel wichtiger, etwas über die Mitarbeit des Autors an Software-Projekten zu erfahren bzw. über die Dauer und Rolle während diesen Engangements.
Diese Informationen über Hintergrund und Erfahrung des Autoren mögen dem Programm-Komitee bei der Beurteilung seiner Vortragsqualitäten helfen. Es ist aber nicht notwendig, eine lange Liste aller Präsentationen zu jedweder Gelegenheit abzugeben. Die Einhaltung der formalen Regeln, wie sie im CfP und dem vCC, in den die Vorschläge von den Autoren eingetragen werden, beschrieben sind, ist äußerst wichtig. Der Autor sollte dabei die Sprache für seinen Vorschlag wählen, in der er sich am sichersten fühlt und am besten formulieren kann. Bei der Eingabe des Vorschlags sollen ganze Sätze anstatt einer Auflistung von Stichworten gebildet werden. Den Eintrag in richtiger Perspektive und angemessenem Ausmaß abzufassen ist für den LinuxTag äußerst hilfreich, weil er so mit wenig zusätzlichem manuellem Aufwand für das offizielle Programm und die Web-Seite nutzbar ist. Der Autor mag sich daran erinnern, daß die Zusammenfassung seines Vortrages eine Werbung für denselben darstellt.
Eine Vielzahl von Einreichungen für den LinuxTag erfüllen die meisten der genannten Kriterien. Nachdem die Vorschläge auf deren Einhaltung untersucht und grobe Abweichungen ausgesiebt worden sind (dies macht ungefähr zehn Prozent aller Einreichungen aus), versucht das Prgramm-Komitee die Vorschläge in Gruppen mit (ungefähr) korrespondiereden Inhalten aufzuteilen, die auch als "Panels" bezeichnet werden. Der Autor kann diese Phase für das Programm-Komitee erleichtern, indem er bei der Eingabe im vCC für seinen Vorschlag eine passende Kategorie aus einer vorgegebenen Liste auswählt.
In einem letzten Schritt werden nun die Zusammenfassungen innerhalb eines Panels miteinander verglichen. Das Programm-Komitee unternimmt dabei alles, um ein interessantes Programm zusammenzustellen, in dem einzelne Themen auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.
Das Programm-Komitee muß im Laufe seiner Arbeit Provisionen hinsichtlich der Kommunikation mit den Autoren machen. Es bittet dabei um Verständnis, denn das Komitee kann nicht jeden Aspekt einer jeden Einreichung mit dem jeweiligen Autoren diskutieren. Das Programm-Komitee ist sehr bemüht, jedem Autor wenigstens ein Mindestmaß an Rückmeldung zu seinem Vorschlag zu geben. Sollte dies nicht der Fall sein, so bittet das Komitee um eine direkte Anfrage via Mail.
Veranstaltungsrahmen
Der LinuxTag deckt alle Themen zu Linux sowie Freier und Offener Software ab, ganz in Kontrast zu Konferenzen, die sich auf Einzelthemen wie GNOME, den Kernel oder KDE konzentrieren. Zugegeben, die Bezeichnung der Veranstaltung mag verwirren, denn der LinuxTag beinhaltet als Veranstaltung auch die BSD-Derivate und andere Software, die nicht notwendigerweise einen direkten Bezug zu Linux aufweist, wie etwa Apache oder PHP.
So ist die Frage nach den Inhalten keine einfache: Einge Beiträge drehen sich um Themen, die für eine breite Linux-Zuhörerschaft etwas esoterisch klingen, wie beispielsweise die Erkennung von Fingerabdrücken oder Details von Kernel-Treibern. Das mag vielleicht bedeuten, daß nur wenige Zuhörer diese Technologien anwenden. Auf der anderen Seite macht es diese Themen gerade neuartig klingend und damit interessant. Andere Themenvorschläge betrachten interne Aspekte des Kernels oder anderer Software-Pakete, und wiederum mag es Zuhörer interessieren, obwohl diese wissen, daß sie nicht unbedingt tatsächlich mit diesen Dingen in Berührung kommen werden. Auch hier gilt der Punkt, daß die Themen neu und relevant sind oder zumindest interessant für die Zuhörerschaft.
Möglicherweise sind erfolgreiche Projekte da vielversprechender. Manchmal stößt man auf ein technisch-stimmiges Projekt, welches sich aber über die eigene Akzeptanz im allgemeinen im unklaren ist. Vielleicht ist es eine nutzlose Re-Implementierung eines gut arbeitenden Stückes Software. Vielleicht handelt es sich um einen Entwurf, der auf dem Rechner der Autoren läuft, die sich noch nie Gedanken darüber gemacht haben, ob es in eine Distribution Eingang finden oder zumindest von anderen benutzt werden könnte. Das mag nicht wertlos sein, wird aber keinen solch hohen Stellenwert erlangen, weil wichtige Aspekte des Software-Entwurfes sowie andere weithin in diesem Zusammenhang akzeptierte Aspekte außer Acht gelassen werden.
Ein letzter Vorschlag: Man sollte nicht davor zurückscheuen, den etwas anderen Themenvorschlag einzureichen. Manchmal sind gerade die Vorträge zu Dokumentation oder Schnittstellen-Entwurf oder gar dem Organisieren lokaler Gruppen die faszinierensten. Wenn es ein interessantes Thema ist, und es berührt Linux oder Freie Software, dann sollte man es einreichen.
