Business & Behördenkongress (Mi, 03.05.2006)
Hochskalierbares Content-Management-System für Ver.di auf Basis freier Software
von Janko Hauser (Janko Hauser Interaktive Internet Anwendungen), Andy Adiwidjaja (Adiwidjaja Teamworks GmbH)
Mittwoch, 03.05.2006, Saal 6.2, 11:00-11:45 Uhr
Eine große deutsche Gewerkschaft definierte zwei Ziele: Die Migration von einem proprietären Content-Management-System auf eine offene integrierte Kommunikationsplattform und die Umgestaltung der webbasierten Kommunikation von vielen Einzellösungen zu einer zentralen Service-Plattform. Diese Plattform sollte durch einen massiven Multisite-Ansatz ein hohes Maß an Informations- und Funktionswiederverwendung im Internet wie auch im Intranet ermöglichen. Um diese Ziele zu erreichen, wurde eine im gewerkschaftlichen Umfeld neuartige Projektstruktur aufgebaut.
Der Vortrag beschreibt Ausgangslage und die auch in Bezug auf andere Organisationen verallgemeinerbaren Ziele des Projektes "di.ver". Die technischen Rahmen-Anforderungen werden kurz dargestellt. Die Entscheidung für den Applikationsserver Zope als Integrationsplattform wird erläutert.
Anforderungsstruktur und technische Rahmenbedingungen begründen einen neuartigen Projektansatz. Auf Grundlage der Unterscheidung zwischen "einfach" und "doppelt" freier Software, wurde das Prinzip "Köpfe statt Firmen" konsequent umgesetzt. Im Vortrag werden die Begriffe ausführlich erklärt. Dieses Prinzip stellt sowohl für den Auftraggeber wie auch für den Auftragnehmer eine Abkehr vom herkömmlichen Kunden-Dienstleister-Verhältnis dar. Ein solcher Übergang ist jedoch erforderlich, wenn man die webbasierte Kommunikation von großen Organisationen als fortwährenden Veränderungsprozess versteht.
Der neue Projektansatz wird durch einen entsprechenden Übergang in der Softwareentwicklung - vom objekt-orientierten Vererbungsmechanismus zu einem Interface-basierten Komponentenansatz - unterstützt. Dieser erleichtet eine iterative Verbesserung und Anpassung.
Das Projekt di.ver entwickelte aubauend auf dem Applikationsserver Zope, das offene, GPL-lizensierte Content-Management-System union.cms, das inzwischen im produktiven Einsatz ist. Die Eigenschaften des Systems werden kurz vorgestellt, vor allem in Bezug auf eine weitere Unterstützung des kontinuierlichen Integrationsprozesses neuer Funktionalitäten und einer Vielfalt der Dienstleister-Struktur. Die im Entwicklungsprozess, den Schulungen und im Rollout gemachten Erfahrungen werden vorgestellt.
Abschließend werden die Risiken beleuchtet - sowohl für die "Köpfe" auf der Seite der Softwareentwicklung, als auch für den "Auftraggeber". Ein Ausblick skizziert den weiteren Projektverlauf und beendet den Vortrag.
Über den Autor Janko Hauser:
Dr. Janko Hauser ist freier Software-Entwickler und Berater im Bereich
Content-Management und Internet-Anwendungen. Seine Schwerpunkte liegen
in den Bereichen Zope und Python. Schon während des Studiums der
Ozeanographie benutze er Python zur Analyse der voluminösen
numerischen Ergebnisse physikalischer Strömungsmodelle. Nach dem
Studium leitete er die Zope-Entwicklung bei der com.unit GmbH in
Hamburg, bis er sich dann im Sommer 2003 selbstständig machte. Er ist
Mitautor des Buches "Content-Management mit Zope" und hielt bereits
Vorträge bei der OpenSaar 2002, der Europython 2004 und verschiedenen
Veranstaltungen der DZUG, deren Vorstandsmitglied er ist. Janko Hauser
ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt ländlich, südlich von Kiel.
Über den Autor Andy Adiwidjaja:
Andy Adiwidjaja (27) ist Wirtschaftsinformatiker und Geschäftsführer der Adiwidjaja Teamworks GmbH. Seit 1999 selbständig, ist er auf unterschiedlichen Gebieten der Softwareentwicklung und des IT-Consultings tätig, immer auf der Basis von freier Software.
Zusammen mit Dr. Janko Hauser bildet er das Core Entwicklungsteam von union.cms, das die Basisplattform für den Internetauftritt von ver.di ist.
Andy Adiwidjaja lebt mit Frau, Kind und Firma in Ahrensburg bei Hamburg.
