Business & Behördenkongress (Mi, 03.05.2006)
Der Linux-Desktop - sinnvoll für meine Organisation?
von Peter H. Ganten (Univention GmbH)
Mittwoch, 03.05.2006, Saal 6.1, 11:45-12:30 Uhr
Der Linux-Desktop ist vielversprechend: Betriebssystem und alle Standard-Anwendungen stehen damit mehr oder weniger gut integriert und lizenzkostenfrei zur Verfügung. Vor einer Entscheidung für oder gegen die Einführung Linux-basierter Desktop-Systeme müssen jedoch eine Reihe von Faktoren bedacht werden. Dazu gehören Anwenderwiderstände, Fragen nach nicht-portierbaren Applikationen, Kompatibilitätsprobleme, mögliche Managementszenarien für Linux-Desktops und vieles mehr. In vielen Fällen hat es sich deswegen als sinnvoll erwiesen, mit einer 80 / 20-Strategie zu arbeiten, bei der 20% der Desktops weiter unter einem anderen Betriebssystem betrieben werden. Dabei muss allerdings Interoperabilität zwischen allen Desktop-übergreifenden Anwendungen und Managementsystemen sichergestellt werden. Auf der Basis praktischer Erfahrungen benennt der Vortrag mögliche Probleme und Lösungen und gibt Entscheidungshilfen hinsichtlich der Einführung Linux-basierter Desktops. Ferner werden exemplarisch mögliche Szenarien auch unter Hinzuziehung kommerzieller Produkte gezeigt und Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit angestellt.
Über den Autor Peter H. Ganten:
Peter Ganten gründete im Februar des Jahres 2002 die Univention GmbH in Bremen und ist bis heute ihr Geschäftsführer. Der gebürtige Bremer und seine Mitarbeiter widmen ihr Know-how und ihre Dienstleistungen der Einführung und Wartung von Linux im Businessbereich. Die Linux-Komplettlösung Univention Corporate Server (UCS) ist das Flaggschiff des Unternehmens: Weiterentwicklung, Vertrieb und Wartung dieses Netzwerkbetriebssystems bilden den Kernbereich Univentions, den in Zukunft weitere, speziellere Produkte wie Univention Groupware Server (UGS) ergänzen werden.
Der Diplompsychologe ist eher über einen Umweg in die Linux-Welt vorgestoßen. Während seines Studiums arbeitete er am Aufbau des EEG-Labors für das Institut für Psychologie und Kognitionsforschung mit. Als Administrator konnte er hier seinem anderen großen Interesse neben der Psychologie, der Programmiererei und Einrichtung von Netzwerken, nachgehen und sein Wissen in diesen Gebieten vertiefen.
Seit 1997, dem Jahr, in dem er sein Studium mit Bestnoten beendete, arbeitete er an unterschiedlichen Open-Source-Projekten mit. Darunter war auch das WINE-Projekt, in dem es darum ging, eine Software zum Ausführen von Windows-Programmen unter Linux zu entwickeln. Die Integration und Migration von Windows in beziehungsweise nach Linux sollte eine von Gantens Spezialitäten werden.
Auch nach Beendigung seines Studiums setzte Peter Ganten seine Arbeit als Programmentwickler und Administrator im EEG-Labor des Instituts für Psychologie und Kognitionsforschung fort. Danach war er in unterschiedlichen Unternehmen tätig, unter anderem im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Firma BEGO Bremer Goldschlägerei Wilhelm Herbst. Später analysierte er für den IT-Dienstleister innominate den IT- und Linuxmarkt und beriet den Vorstand der AG in strategischen Fragen.
Unterschiedliche Überlegungen führten zu Gantens Entschluss, selbst Unternehmer zu werden. Dazu zählten seine Kenntnisse des Marktes, seine Begeisterung für Linux und seine Erfahrung mit der Open-Source-Software. Aus diesen Grundbedingungen erwuchs, motiviert durch Gantens Gespür für den Linuxtrend, seine Geschäftsidee. Heute sagt Ganten: "Es war zu diesem Zeitpunkt schon länger ersichtlich, dass sich der Einsatz von Linux und Open-Source auch außerhalb der Bastler- und Expertenecke zum unumkehrbaren Trend entwickelt und immer größere Bereiche erschließt."
Eine andere Überlegung bei der Unternehmensgründung hat weniger mit Softwaretrends als vielmehr mit Tendenzen in Gantens Familienentwicklung zu tun. "Natürlich wollte ich auch ein attraktives Einkommen für mich und meine Familie schaffen", sagt der Vater von drei Kindern.
Sein Plan für die kommenden Jahre besteht darin, Univention zu einem der wichtigen Player des deutschsprachigen Marktes zu machen. Die Chancen dafür stehen gut, denn die Businessmodelle im Linux-Umfeld haben sich konsolidiert. "Hier gibt es keine Diskussionen mehr," bekräftigt Ganten. "Ehemals als gegensätzlich wahrgenommene Modelle gleichen sich einander an. Software wird immer mehr als eine Dienstleistung begriffen, für die Kunden zahlen, solange sie erbracht wird. Egal, von welchem Hersteller sie kommt." Dabei gewinnt offene Software an Bedeutung, weil sich deren Vorteile für Anwender langfristig auszahlen.
Je mehr Anwender Open-Source-Produkte verwenden, desto näher rückt Peter Gantens Vision in greifbare Nähe: "Es besteht in dieser Entwicklung die große Chance, dass Software zu einem allgemein verfügbaren Kulturgut wird, auf das jeder Mensch in jedem Land aufbauen kann".
