Arnulf Benno Christl: WebGIS mit Freier Software
Gebäude, Straßen, Biotope, Altlasten, Gewässer, Hydranten, Fußgängerzonen, Bäume, Landesgrenzen, Kriegsgebiete, Einzelhandelstandorte, seltene Pflanzen, Walvorkommen, Wahlergebnisse, Eisdielen, Kinos... es ist beliebig, fast alles hat einen räumlichen Bezug (ist also ein Geodatum) und kann in digitalen Karten abgebildet, abgefragt und bearbeitet werden.
Aufbau und Ablauf des Tutoriums
Geodaten sind der Rohstoff über den die Umwelt in Geoinformationssystemen (GIS) abgebildet werden kann. Unser gesamtes Besitz- und Eigentumsrecht basiert auf Geodaten. Die Größe eines Grundstückes und die Nachbarschaft zu anderen Geo-Objekten (ein weisser Meerestrand, eine Mülldeponie) sind Faktoren, die den Preis definieren. Jeder Milimeter in Deutschland ist hochpräzise verrmessen und dokumentiert, die Erhebung und Pflege dieser Geodaten ist jedoch enorm aufwändig, teuer und ausserdem Aufgabe des Staates. Weil dieser über Jahre nicht so richtig in die Füße gekommen ist haben Privatunternehmen die Lücke geschloßen und selbst Geodaten erhoben, z.B. für Navigationssysteme in Fahrzeugen.
Seit einiger Zeit entbrennt eine heisse Dikussion über den Preis, der für Geodaten oder besser deren Nutzung erhoben wird – vor allem wenn sie von staatlich finanzierten Stellen bereitgestellt werden. Ausserdem gibt es eine Vielzahl nationaler Informationsfreiheitsgesetze die auch auf europäischer Ebene verankert sind und definieren, dass jeder Bürger ein Recht auf Information hat. Eine Meinung lautet, dass Geodaten und deren Nutzung Allgemeingut sein müssen, nicht zuletzt weil sie mit Steuergeldern erhoben worden sind.
Bisher war das Problem jedoch, dass zur Nutzung von Geodaten ein erheblicher Apparat an teurer, komplizierter Spezialsoftware in Bewegung gesetzt werden musste, um herstellerspezifisch (proprietär) kodierte Geodaten überhaupt visualisieren zu können. Drei Faktoren brechen diese quasi-natürliche Barriere auf:
1. Internationale Industriestandards ermöglichen den ungehinderten technischen Zugriff auf Geodaten über eine webbasierte Dienstearchitektur.
2. Freie Software ermöglicht es jedermensch Geodaten über diese webbasierte Dienstearchitektur zu nutzen und anzubieten
3. Datenanbieter (privatwirtschaftlich und staatlich) bieten ihre Daten zunehmend über das Netz an.
Als nächstes möchten wir die öffentliche Wahrnehmung, dass Geodaten tatsächlich nutzbar werden fördern. Dieses Tutorium leistet einen kleinen Beitrag dazu, indem es technisch interessierten die Architektur sich weltweit entwickelnder Geodateninfrastrukturen näherbringt.
Zunächst wird den Teilnehmern kurz Zeit gegeben sich vorzustellen und ihr spezielles Interesse an der Thematik zu bekunden. Danach werden in Vorträgen die gewünschten Schwerpunkte mit Online Beispielen vorgeführt. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit an der Gestaltung des Tutorials mitzuwirken und eigene Ideen einzubringen.
Als Einführung wird die Technologie hinter Geodateninfrastrukturen vorgestellt. Eine neue Geoinformation wird auf ihrem Weg in das Internet begleitet. Die Geschichte: Ein seltener Lurch wird mit dem Fotohandy aufgenommen, per Satellit und GPS die Position ermittelt, über SMS an einen Kartenserver verschickt, der die Position und das Bild der schützenswerten Lurche dokumentiert.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Software, über den dieser Prozess abgebildet wird. Anhand einer produktiven Infrastruktur werden vom Betriebssystem (FreeBSD), Webserver (APACHE), Datenbank (PostgreSQL/PostGIS ), Katenserver (UMN MapServer) und Kartenclient (Mapbender) vorgestellt. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Nutzbarmachung und Nutzung dieser Geodaten durch "den Bürger". Alle Ausführungen werden mit Beispielen bereits jetzt im Netz verfügbarer Geodaten veranschaulicht.
Voraussetzungen der Teilnehmer
Es werden auch eine Menge technischer Begriffe verwendet und man profitiert am meisten von dem Tutorial, wenn man GIS-Spezialist und Netzwerker ist. Der Referent bemüht sich jedoch, die Geoinformationstechnologie ein wenig zu entzaubern und nutzbarer zu machen, so dass auch Interessenten mit ohne Vorkenntnisse angesprochen werden.
Lernziel
Die Teilnehmer erhalten alle Informationen, um eine Geodateninfrastruktur aufzubauen und zu betreiben. Wenn Sie über die technischen Grundkenntnisse verfügen sind sie auch in der Lage solch eine Infrastruktur aufzubauen, aber es ist schon ein wenig komplex.
Der Referent

Arnulf Benno Christ arbeitet seit 10 Jahren im GIS-Umfeld und entwickelt passende freie Software in seiner Firma, der CCGIS Christl & Stamm GbR. Seinem Anliegen, die Geoinformationstechnologie aus der Spezialisten-Ecke herauszuholen und für die Gemeinschaft nutzbar zu machen, wird er mit diesem Tutorium sicher wieder ein Stück näher kommen. Der Referent ist zudem Projektadministrator der Freien Software Mapbender und freut sich auf Fehlerberichte und Anmerkungen.
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Sprache |
deutsch |
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Ort |
Dorint, Boardroom |
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Zeit |
23.6., 9:30-18:00 |
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max. Teilnehmerzahl |
6 |